Tierrfino und Chief finish

Moderner Lehmbau Carl Giskes´ Biographie

Moderner Lehmbau: Die Geschichte des Erfinders von Tierrfino Produkte.

Moderner Lehmbau Carl Giskes´ Biographie

Interview mit Carl Giskes

Der sanfte Glanz von Muscheln und Sand, den wir so noch nicht kannten.

Zaubern mit fossilen Farben aus der Erde.

Carl Giskes hat mit Tierrfino ein natürliches Oberflächenfinish entwickelt. Dies machte ihn mit einem Schlag bekannt. Der bescheidene, grosse Mann aus Amsterdam, geboren 1949 im niederrheinischen Krefeld, verkörpert das Geheimnis der aufregendsten Wandoberflächen. Sein Tierrfino ist ein rein organischer, umweltfreundlicher und gesunder Lehmfeinputz.

Tierrfino ist Farbe und Putz zugleich.

Tierrfino: unbegrenzte Vielfalt an Farben und Tönungen.

In unserem europäischen Sprachgebrauch kennen wir 25 Worte für "Farbe" und 600 Namen für verschiedene Farbstufen, doch mit Tierrfino sind noch weit mehr Farbvarianten möglich.

Tierrfino bietet Architekten, Raumgestaltern und Designern bislang unbekannte, natürliche Farbnuancen. Tierrfino wird in sechs Standardfarben angeboten, die miteinander zu jeder beliebigen Pastellfarbe gemischt werden können. Diese milden Farben, uralten Erdlagen entlockt und nie zuvor auf Maueroberflächen gesehen, schenken unserem Auge eine ganz neue Erfahrung.

Von Rost Rot, sandigem Ocker, über mineralisches Grün, bis hin zu dunklen Anthrazit- und leuchtenden Weisstönen übertrifft 'Tierrfino' in Farbvarianten alle anderen Farbgeber ohne Zusatz jeglicher Pigmente. Diese einfache Mischung dieser uralten, naturreinen Erdfarben schmeicheln unserem Auge auf unaufdringliche Weise. Die Deckfarbe verbreitet den sanften Glanz von Sand, Muscheln und der Frische des frühen Frühlings.

Carl Giskes, Gründer und Erfinder von Tierrfino, hat sein Produkt ‘Tierrfino’ Lehmfeinputz inzwischen auf den Bau-Messen Europas mit großem Erfolg vorgestellt und in der ganzen Welt Kunden gefunden.

Die Rohstoffe für Tierrfino werden aus tiefen Erdlagen gewonnen und stammen aus kontrollierten Lehm- und Sandgruben Europas. Tierrfino ist ein 100% natürliches Baumaterial, ohne jeglichen chemischen Zusatz. Hohe Haftfestigkeit, Haltbarkeit und Farbechtheit sind die herausragenden technischen Eigenschaften dieses Materials. Tierrfino ist nicht brennbar und seine Festigkeit ist mit der von Kalkmörtel-Putz vergleichbar.

Der ökologische Lehmfeinputz Tierrfino ist für innen und außen in den gleichen acht Standardfarben erhältlich: Delphi- und Dover-Weiß, Römisch-Ocker, Djenné-Rot, Ayers Rock, Nassau-Orange, Iquitos-Grün und Gomera-Grau. Durch die Mischung von 70% Delphi-Weiß mit 15% Römisch Ocker und 15% Djenné-Rot entsteht zum Beispiel eine zarte Pfirsichtönung.

Alle Farben können untereinander zu jeder beliebigen Farbtönung vermischt werden. Eine hellere Tönung wird durch die Vermischung der Farben mit mehr oder weniger Delphi-Weiß erreicht. Für besondere Effekte können diverse Zuschlagstoffe beigefügt werden. Z.B. ergibt Perlmut einen magischen Glitzereffekt in der Oberfläche. Hinzufügen von gehäkseltem Stroh gibt dem ‘Tierrfino’ einen lebendig rustikalen Natureffekt.

Tierrfino besteht nur aus Lehm,
diesem archaischen Baumaterial.

"Tierrfino" hat bislang über 50 Projekte für verschiedene Abteilungen des "Rijksgebäudedienst" ( Bauherr von vielen Gebäuden im öffentlichen Bereich) in Holland mit Lehmunterputz und Tierrfino Lehmfeinputz durchgeführt.

Lehmwände schaffen eine nahezu unvergleichbar gute Lebensatmosphäre. Sie atmen; auch in Innenräumen emittieren sie Sauerstoff.

Lehm atmet 30 mal soviel Sauerstoff aus wie Backstein und 100 mal soviel wie Beton. Die Menge Silicium im Lehm entspricht der Menge, die sich im menschlichen Körper befindet. Ihre innere Elektrizität ist dieselbe. Lehm besteht aus 50 % Sauerstoff, 40 % Silicium, 10 % Mineralien, Spurenelementen und Enzymen. Lehm nimmt bis zu 30 mal soviel Feuchtigkeit auf als 'gewöhnlicher' Putz. Negative Ionen füllen den Raum und geben ihm diese Frische von Frühlingsluft. Diese Frische kommt aus dem Lehm. Aus diesem Grunde wird gesagt, dass Lehmwände Ruhe ausstrahlen. Sie säubern die Luft und erfrischen unsere Energie. Sauerstoff sorgt für Entspannung und macht den Menschen edel.

Edelmut, Sauerstoffgehalt im Blut und Sauerstoffgehalt der Räume, in denen wir uns alltäglich aufhalten, das hängt miteinander direkt zusammen und macht Lehm so wertvoll.

Tierrfino ist eine stille Revolution, die das Bauen mit Lehm verändert hat. Es ist auch deutlich, dass die subtilen Farben von Tierrfino eine psychologisch positive Wirkung haben.

Carl Giskes experimentierte im Sommer 1989 mit Mixturen aus Sand und Lehm. Er war damals mit Dekorationen im neu mit Lehm bearbeiteten Haus von Willem de Ridder in der Nähe des Stedelijk Museum in Amsterdam beschäftigt. Zufällig kam der berühmte Komponist und Künstler John Cage einige Male zu Besuch. Vielleicht ist Tierrfino auch unter dem Einfluss des Schmunzelns des fast achtzigjährigen ‘Meisters’ entstande. Damals hat er dem uralten Baumaterial Lehm neues Leben geschenkt.

Djenné, die schönste aller Städte,
die ganz und gar aus Lehm gebaut wurde.

Der ‘Globetrotter’ Carl Giskes hat während seiner siebenjährigen Fusswanderungen den Kontinent Afrika erlebt. Von Tunis nach Südafrika und danach entlang der Westseite zurück nach Marokko. In seinen jungen Jahren hat er die Reinheit von Lehmbauten am eigenen Leib erfahren. Grösste Bewunderung empfand er eines Tages beim Anblick der überwältigenden Stadt Djenné, die bekannt ist als die schönste aller Städte, die ganz und gar aus Lehm gebaut ist.

Carl Giskes war 21 Jahre alt, als er Djenné sah und hatte eine Lehre als Pflastersteinleger und Graveur hinter sich. Der junge Handwerker wird Bewunderer des ägyptischen Lehmarchitekten Hassan Fathy, der einmal sagte: "Gib uns den Mut, Schulen zu bauen, die den Frieden der heiligen Erde ausstrahlen."

Carl Giskes hat mit den Menschen Afrikas in der reichen Wärme ihrer Lehmhäuser gelebt. Doch auch die königlichen Familien Europas haben ihre Schlösser schon immer aus Lehm gebaut. So auch das Schloss Quedlinburg, nahe Halle in Deutschland, aus dem 10ten Jahrhundert. Das Landgut wurde inzwischen von der Unesco unter 'Weltkulturerbe' gestellt.

Carl Giskes ist nicht allein dem Künstler John Cage begegnet. Zwölf Jahre zuvor, 1977, gerade zurück von seiner 78 Länder Weltreise rund um Afrika, nach Amerika und Asien, arbeitete er einige Jahre in nächster Nähe des berühmten deutschen Künstlers Joseph Beuys (Fluxus-Bewegung). Zuerst fragte ihn Joseph Beuys, eine Abteilung seiner 'Freien Internationalen Kunst- und Interdisziplinären Forschungsakademie' in einem Schloss in der Eifel zu leiten. Dann, anlässlich der Documenta VII in Kassel, 1982, machte der soziale Skulpturkünstler Beuys seinen Lehrling Carl Giskes verantwortlich für das Auffinden von 7000 Basaltsteinen aus den vielen Steingruben Deutschlands. Die wurden nach Kassel transportiert. Jeder Basaltstein wog 450 kilo. Carl Giskes schichtete diese in der Form eines dreieckigen Berges vor dem Friedricianum in Kassel aufeinander und junge Arbeiter lernten von ihm, wie je ein Basaltstein neben jede der 7000 Eichen, die in jenem Sommer rund um Kassel gepflanzt wurden, gesetzt wurden. Die Basaltsteine machten von jedem gepflanzten Baum eine erkennbare Beuys-Skulptur.

Ein Jahr später ein weiteres Projekt mit Joseph Beuys: Carl Giskes bohrte grosse Löcher in 160 Basaltsteine und ein gleich grosses Loch in die Mauer der Düsseldorfer Museen, welche dieses beeindruckende Projekt "Das Ende des 20sten Jahrhunderts" von Joseph Beuys ausstellten.

In Kassel begegnete Carl Giskes dem Lehmbau-Architekten Ing. Klaus Johannes Eckert, ebenfalls Bewunderer und Student des ägyptischen Architekten Hassan Fathy. Eckert war der erste Professor für Lehmbau an der Universität von Kassel. Carl Giskes hatte seinen Lehrer gefunden und blieb die kommenden Jahre an dessen Seite, um alles über Lehmbau zu erfahren.

Professor Eckert und Carl Giskes arbeiteten noch immer zusammen, als sie nach Amsterdam kamen, um bei der Entstehung des 'Adobe Pavilions' für den internationalen Kongress 'Art meets Science and Spirituality in a changing Economy' zu helfen.

Hauptbegegnungen während dieses fünf Tage langen Events waren zum Beispiel das Gespräch des amerikanischen Künstlers Robert Rauschenberg mit dem Dalai Lama und dem 'implicate order' Wissenschaftler David Bohm, sowie dem russischen Ekonom Stanislav Menshikov.

Carl Giskes hat seitdem Amsterdam nicht mehr verlassen. In einem Brief Ende der 80ziger Jahre schreibt er: "Liebe Menschen, meine Motivation ist, gesunde Häuser zu bauen." Genau das hat er seither auch gemacht. In der Zwischenzeit hat die Anzahl der von ihm realisierten Lehmbauprojekte 3000 überstiegen. Sein Betrieb 'Tierrfino' ist Hersteller und Vertreiber von Lehmprodukten und bietet umfassende Seminare zum Thema Bauen mit Lehm an. Hierbei fachmännisch ausgebildete Stuckateure sind seine wichtigsten Werbeträger.

Carl Giskes hat sich mit seinen zahlreichen Lehmbau-Workshops einen Namen gemacht. Daran nehmen Fachleute und interessierte Laien teil. Sein alljährlicher Kurs bei CRATerre in Grenoble (Frankreich), der Höhle des Löwen was Europas Lehmbau betrifft, ist dort der Höhepunkt für viele.

'Ein wachsende Anzahl Architekten werden sich bewusst, dass die Wahl für Lehm in erster Linie ein gesunde Wahl ist.' sagt Carl Giskes. Die Presse hat mit Freude festgestellt, dass er dem ´Gebrauch von Lehm zu einer neuen Eleganz und differenzierten Schönheit' verholfen hat. Sein ´Tierrfino hat das Strahlen eines sonnenüberfluteten Strandes.'

Carl Giskes hat im Jahr 1999 rund 5800 Quadratmeter Tierrfino auf Türme, Pavillons und eine geschwungene Mauer rund um "The Evolving Gardens" der Expo 2000 in Hannover, Deutschland, verputzt. Diese Konstruktion wurde durch den aus Algerien stammenden Berliner Landschaftsarchitekten Kamel Louafi entworfen.

Carl Giskes über seine Arbeit: 'Ich wollte schon immer den Gebrauch von Lehm modernisieren, um Lehm seinen Platz in der heutigen Welt zu verschaffen.'

© 2000 Louwrien Wijers. Übersetzung: Tony Crystal.